Spitzarschen, dieses Ei hat verloren

Spitzarschen

Spitzarschen heißt dieser Brauch in Aalen. Es gibt ihn allen Ländern gibt, in denen zu Ostern gekochte Eier gefärbt werden.

In allen „christlichen“ Ländern (ob Katholiken, Orthodoxe oder Evangelische), in denen es den Brauch gibt, an Ostern hart gekochte Eier zu färben, gibt es auch den Brauch des Ostereiertitschen. So heißt das auf hochdeutsch. Wobei mir aus meiner Jugendzeit der Begriff „pecken“ oder „ditschen“ geläufiger ist. An Ostern gab es ja Unmengen an gekochten, gefärbten Eiern. Sie wurden in der Kirche geweiht und dann in der Familie verteilt und verzehrt.

Wir Kinder hatten dann die Idee, unsere Ostereier zu „vermehren“. Man forderte einen Freund zum „Eierpecken“ auf. Jeder nimmt ein Osterei in die Hand. Dann schlägt man mit der spitzen Seite des Eis gegen die Spitze des gegnerischen Eis. Das Ei, dessen Schale dabei zerbrochen wird, gehört dem Gegner.

Das hört sich einfach an, ist es aber durchaus nicht! Will man nicht alle seine Eier an den Gegner verlieren, ist eine gewisse „Rafinesse“ gefordert. Trifft man das gegnerische Ei nicht genau auf die Spitze, sondern leicht daneben, hat man bessere Chancen. Ganz schlaue haben sich Gipseier besorgt, angemalt und sind mit diesen angetreten. Gipseier legt man den Hühnern ins Nest, damit sie ihre Eier in dieses Nest legen und nicht in irgend ein anderes, selbst gemachtes.

Spitzarschen

Beim Aalener Spitzarschen geht es dagegen nach strengen Regeln. Im MTV-Heim kontrolliert Wettbewerbschef Josef Francz von der Fechtabteilung des MTV ob die Eier auch den Wettbewerbsbedingungen entsprechen. Der Brauch existierte schon vor 1950. Inzwischen sind die Wettkampfregeln fast so umfangreich wie bei der Formel 1.

Für den „Spitzarsch des Jahres“ tritt jeder Teilnehmer mit drei Eiern an. Diese prüft der Kampfgericht genau. Die „Schlaule“ mit ihren Gipseiern haben da natürlich keine Chance.

Im ersten Durchgang geht es beim Spitzarschen „Spitz“ auf „Spitz“. Also man schlägt die spitzen Enden der Ostereier gegeneinander. Nach dem ersten Durchgang kommen die Sieger in den „Sieglauf“, die Verlierer in den „Hoffnungslauf“. Sind alle Eier-Spitzen beschädigt, schlägt man die etwas runderen Enden der Eier gegeneinander. Dann geht es „Arsch“ auf „Arsch“. Hat jemand noch ein Ei mit intaktem Arsch, und findet keinen Gegner mit einem Ei mit intaktem Arsch, kann er auch gegen einen Gegner mit einem Ei mit intaktem Spitz antreten. Dann geht es „Spitz auf Arsch“.

Spitzarschen

Bei der Kombination der Gegner gibt es keine Altersklassen. Im Gegenteil! Traditionell beginnt der Jüngste Teilnehmer gegen den Ältesten.

Wenn beide Enden des Eies beschädigt sind, bekommt das Ei der Gegner. Wer am Ende die meisten Eier hat, kann sich schon mal „Spitzarsch des Jahres“ nennen und erhält einen Präsentkorb.

Danach wird noch der „Superspitzarsch“ gesucht. Dafür dürfen sich 32 Teilnehmer mit je einem Kampfei anmelden. Die K.O. Runde beginnt wieder mit Spitz auf Spitz, der unterlegene kommt in den „Hoffnungslauf“, die Sieger bleiben im „Sieglauf. Die Finalisten werden in drei Siegläufen und vier Hoffnungsläufen ermittelt. Dann geht es auch „Spitz“ gegen „Arsch“. Der Sieger darf sich nun „Superspitzarsch“ nennen und bekommt einen Präsentkorb (früher gab es dafür einen Loorbeerkranz).

Die vielen zerbrochenen Eier verarbeitet der Wirt des MTV-Heims Georg Knobel zu einem leckeren Eiersalat. Zum Verzehr sind dann alle Teilnehmer eingeladen.

Unser Brunch Nudelsalat ist ebenfalls für die Verwertung der vielen Ostereier.

 


Hinterlassen Sie einen Kommentar

© Max Kolar