Camping und Campingküche

Camping und Campingküche

Camping und Campingküche

Wie kam ich zum Kochen?

Als 14 Jähriger habe ich viele Bücher gelesen. In der Bücherei in Oberkochen durfte ich mir jede Woche 4 Bücher ausleihen.
Darunter war dann auch dieses Buch, das mein ganzes Freizeitleben beeinflusst hat.
Ein Kochbuch? Nein, das Buch erzählte die Geschichte von einem Vater, der mit seinem Sohn im Faltboot die Rhone hinunter fährt.
Ich hatte gerade als Lehrling angefangen und sparte von da ab jeden Pfennig auf ein Faltboot.

Die Finanzierung

Ich durfte pro Monat 5,- DM als Taschengeld behalten. Das Faltboot (es musste ein Klepper Aerius sein) kostete damals 800,-DM. Jeder andere hätte das als Aussichtslos angesehen, zumal es damals nicht üblich war, dass die Oma ständig als „Sponsor“ auftrat. Werbeprospekte verteilen, Einkaufen gehen für die Mutter (ich durfte als Lohn die Rabattmarken behalten) und sonstige „Dienstleistungen“ brachten noch den einen oder anderen Pfennig dazu. Während andere jeden Tag ihr Cola kauften, Kaugummi kauten und Zigaretten rauchten begnügte ich mich mit dem kostenlosen Tee, von dem sich jeder Lehrling nehmen konnte. Im zweiten Lehrjahr verbesserte sich meine Finanzlage erheblich. Ich durfte pro Monat 25,- DM Taschengeld behalten. Neue Einnamequellen kamen hinzu. Für jede „Eins“ im Zeugnis gab es von meinem Vater 20,- DM. Als ich endlich 400,- DM zusammengespart hatte, hat sich mein Vater erbarmt und die andere Hälfte dazu gezahlt. Die Erfüllung des Traumes rückte näher, aber bis zur Rhonefahrt dauerte es noch einige Jahre.

Die Geschichte von den Dosenravioli.

Den ersten – allerdings negativen – Eindruck von Camping und Campingküche hatte ich im Alter von 14 Jahren. Eines Tages sagte mein Vater zu mir :“Am Sonntag kannst du bei einer Schlauchbootfahrt auf der Donau mitmachen.“ Zwei seiner Arbeitskollegen planten eine Schlauchbootfahrt die Donau hinunter. Am Sonntag war dann die „Probefahrt“ und ich sollte für den Gewichtstest als „Gepäck“ mitfahren.
Für mich war die Fahrt sehr schön, denn es war ein herrlicher sonniger Tag. Außerdem konnte ich im Trockenen auf dem Brett sitzen, das die beiden Kinderpaddelboote miteinander verband. Die beiden Männer hatten es nicht so gut. Denn durch ihr Gewicht wurden die Kinderpaddelboote wurden unter Wasser gedrückt. Deshalb saßen sie den ganzen Tag im Wasser. Sie haben dann größere Paddelboote genommen.
Etwa zwei Wochen später holte sie mein Vater in Deggendorf ab und ich durfte mit.

Ein unangenehmer Geruch!

Auf der Rückfahrt breitete sich im Auto ein penetranter Geruch aus. Natürlich, werden sie sagen, zwei verschwitzte Männer, die sich eine Woche nicht gewaschen haben! Glatt daneben geraten! Es war der typische Geruch von Dosenravioli, den ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde. Den Geruch von Weißblech in Kombination mit Tomatenmus und komischer Fleischfüllung habe ich heute noch in der Nase, während ich diese Zeilen schreibe.
Die Camping- Küche der damaligen Zeit bestand aus einem Benzin- Kocher und ein paar Alu- Töpfen. Aber daran lag es nicht! Die Männer hatten einfach keine Fantasie – und hatten sich 2 Wochen nur von Dosenravioli ernährt.

Die Schlauchbootfahrt auf der Donau

Bevor ich das Geld für das Faltboot zusammengespart hatte, unternahm ich mit einem Freund meine erste Bootsfahrt mit dem Schlauchboot die Donau hinunter. Die Ausrüstung für Camping und Campingküche bestand aus einem Benzinkocher mit einem Topf und einer Pfanne. Die Campingausrüstung hauptsächlich aus einem amerikanischen „Zweimann – Zelt“. Das waren zwei Baumwollplanen, die in der Mitte zusammengeknüpft wurden. Für die Zeltstangen musste man sich jeweils im Wald 5 Stöcke abschneiden. Das Zelt hatte keinen Boden. Die Luftmatratzen lagen auf dem blanken Boden. Die Schlafsäcke waren alles andere als Kälte-isolierend. Abends konnten wir die Schnaken nicht aus dem Zelt fernhalten, morgens krochen überall Schnecken herum.

Dosenravioli mussten wir nicht essen, meine Mutter hatte uns Rindsrouladen und Gulasch in Einmachgläsern mitgegeben.
Die Nudeln dazu konnte ich schon damals kochen. Nach einem Start bei herrlichem Sonnenschein fing es am zweiten Tag zu regnen an. Am vierten Tag haben wir dann aufgegeben.

Im offenen Faltboot die Donau hinunter

Endlich war es so weit, das ersehnte Faltboot war „mein“. Sofort wurde eine weitere Donaufahrt geplant.
Diesmal sollte es von Dillingen nach Deggendorf gehen. Eine Fahrt, die in einer Woche gut zu bewältigen wäre. Wegen knapper Kasse hatte es nicht mehr zu einer Spritzdecke gereicht, aber wir wollten ja kein Wildwasser fahren und für ein paar Regentropfen hatten wir Regenschirme dabei. Ein „richtiges“ Zelt hatte ich auch – mit Boden – 10 cm seitlich hochgezogen. Sogar ein Mückenschutz war am Eingang. Die sonstige Ausrüstung für Camping und Campingküche bestand immer noch aus dem Benzinkocher, zwei Töpfen und einer Pfanne. Mutter hatte wieder vorgekocht. Es konnte losgehen.

Leider war uns auch diesmal der „Wettergott“ nicht hold. Wieder starteten wir bei Sonnenschein – und hatten ab dem zweiten Tag nur Regen. Da saßen wir im offenen Faltboot und konnten die Regenschirme nicht aufspannen, da wir ja paddeln mussten.

De oarma Buam

Angler sind ja die „natürlichen Feinde“ aller Bootfahrer. Aber ich höre noch heute den mitleidigen Ausruf eines Anglers : „Schaug de oarma Buam“ – Was soviel heißt wie : „Schau dir die armen Buben an“. Wir müssen schon ein Bild des Jammers gewesen sein, wenn sogar ein Angler mit uns Mitleid hatte. Da wir unsere Schlafsäcke nicht wasserdicht verpackt hatten, sind auch diese feucht geworden.
Nachts haben wir unsere Jeans zwischen Schlafsack und Luftmatratze gelegt, damit sie am anderen Tag (fast) trocken war. Letztendlich hatten wir „keinen trockenen Faden“ mehr am Leib. Kurz nach Regensburg mussten wir wieder aufgeben.

Das traurige Ende

Regensburg habe ich als die Bootsfahrer – unfreundlichste Stadt in Erinnerung. Eigentlich waren wir schon fix und fertig und wollten raus aus Fluss und Boot. Doch von beiden Campingplätzen, die jeweils einem Ruderclub gehörten, wurden wir regelrecht verjagt. Gleich nach Regensburg haben wir dann im Dunkeln am Dorfrand unser Zelt in einer Gänsewiese aufgestellt. Es hat immer noch geschüttet wie aus Kübeln. Als ich mich nachts umdrehte, fiel mein Arm von der Luftmatratze und es machte „Platsch“.
Wir hatten auch noch eine Kuhle erwischt. Auf dieser Fahrt habe ich einen Freund verloren. Er hatte genug von Camping und Campingküche.

Mit dem Faltboot nach Wien.

Mittlerweile war ich 18, aber die Bootsfahrt auf der Rhone war noch in weiter Ferne!

Aus Fehlern kann man bekanntlich lernen. So habe ich meine Camping Ausrüstung vor allem um wasserdichte Säcke für Schlafsäcke und Kleidung ergänzt, eine Spritzdecke für das Boot gekauft und mir einen „wetterfesten“ Freund gesucht. Für die Campingküche kam ein Gaskocher und ein Satz Töpfe dazu. Da Mutter nicht für die ganzen zwei Wochen vorkochen konnte, war „Essen gehen“ eingeplant. Die Camping – Kocherei beschränkte sich auf den Kaffee zum Frühstück und den Tee abends zum (kalten) Vesper. Meist sind wir jedoch mittags durchgefahren und sind dann abends zum Essen gegangen.

Das Wetter hat auch „mitgespielt“ – nur einmal sind wir in ein heftiges Gewitter gekommen. Die ganze Fahrt nach Wien war ein einziges tolles Abenteuer. Es gab damals noch kein Handy, meine Eltern hatten noch nicht einmal Telefonanschluss. Wir waren ganz auf uns alleine gestellt. Als „Orientierung“ hatten wir eine Österreichkarte im A4 Format dabei. Die meisten Orte an denen wir vorbei kamen waren auf der Karte nicht vermerkt und die Ortsschilder stehen ohnehin nicht am Fluss. Über die Donaufahrt könnte ich die ganze Seite füllen, aber es soll ja um Camping und Campingküche gehen. Nur zwei Episoden von „Essen gehen“.

Vier gefräßige Kerle

Wir hatten unterwegs zwei Bootfahrer mit Kajaks getroffen. Dann die Zelte nebeneinander am Rande eines Sportplatzes aufgestellt- Anschließend machten wir uns auf den Weg ins Dorf. Unterwegs fragten wir zwei Spaziergänger nach „dem besten Lokal“. Es stellte sich heraus, dass es nur zwei Lokale gibt. Außerdem eines heute geschlossen hat. Der Wirt konnte uns „Gulasch“ oder Spiegeleier mit Bratkartoffeln und Speck anbieten. Wir haben alle Gulasch bestellt. Es kam zuerst das Brot. Bis das Gulasch kam war das Brot weg. Das Gulasch war auch schnell verputzt. Einer der neuen Bekannten hat die Wirtin her- gewunken und drei Spiegeleier mit Bratkartoffeln und Speck bestellt. Die Wirtin ist in die Küche verschwunden und nicht mehr aufgetaucht.

Nach einigem Zögern kam der Wirt zu uns. Er hat gemeint, wir seien ja noch jung und hätten einen guten Appetit. Ja haben wir gesagt, außerdem hätten wir heute 10 Stunden gepaddelt. Und 90 km zurückgelegt, was nicht gelogen war. Da hat er uns allen noch Spiegeleier mit Bratkartoffeln gebracht und einen vorzüglichen Wein aus eigenem Anbau.

„Österreichische Höflichkeit“

Wir machten ausnahmsweise bereits Mittags eine Pause. Am linken Donauufer lag einladend eine kleine freundliche Stadt. Anlegestege waren auch da, sie gehörten einem Ruderklub und die Schilder waren eindeutig – nur für Mitglieder des Ruderklubs. Wir haben unser Faltboot vertäut und stiegen die Treppen hinauf.

Ich fang mal mit der Beschreibung unseres Outfits oben an : Als Sonnenschutz bei mir ein Strohhut, mein Freund einen alten Filzhut. Rasiert – vorgestern. Karohemd, Jeans, Sandalen, keine Socken.

Schräg gegenüber war ein schönes Gasthaus, ein uniformierter Türsteher davor. Wir darauf zu, der Türsteher mit leichter Verbeugung :“Schönen guten Tag die Herren“ und macht uns die Tür auf. Drinnen Halbdunkel (Gott sei Dank). Die anderen Gäste im Sonntagsstaat – uns wurde es schon langsam peinlich. Im hintersten Eck war noch ein Tisch frei.

Tja – um es abzukürzen – wir wurden bedient wie die Fürsten. Wir haben einen herrlichen Rehbraten gegessen, Rotwein dazu getrunken. Dann vom Nachtischwagen geschlemmt – und bezahlen konnten wir das Ganze auch noch. Wegen dem Unerlaubten Anlegen am Steg des Ruderklubs gab es auch keine Probleme. Wir haben sogar einen Ruderer getroffen, der hat gemeint, die Schilder seien nur wegen den unverschämten Motorbootfahrern.

Die Rhône Fahrt – ein Traum geht in Erfüllung

Nach der Berufsaufbauschule musste ich zum „Bund“. Ich hatte den Wehrdienst gerade abgeleistet, mich an der Ingenieurschule eingeschrieben, das erste Semester hinter mir – jetzt sollte mein Traum in Erfüllung gehen – die Rhone Fahrt.
Mit meinem „wetterfesten“ Freund und einem anderen, der französisch konnte, sollte es los gehen. Meine Mutter machte sich Sorgen :“Was wollt ihr den essen?“ „Wer soll für euch kochen?“

Ich hatte die EPA’s gesammelt, die Samstags beim „Bund“ immer ausgegeben wurden und erklärte meiner Mutter – das wollten wir essen. Und kochen würde natürlich ich. Sie sagte: „Dann musst du erst mal kochen lernen!“
Sie taxierte die Möglichkeiten, die sich aus den EPA’s ergaben, und brachte mir als Erstes bei, wie man eine dunkle Einbrenne für eine Soße macht. So wurden aus dem Dosenfleisch leckere Gerichte, ergänzt durch Gemüse, das wir in Frankreich kauften. Auch andere Gerichte brachte sie mir bei, zum Beispiel ein echtes ungarisches Letscho.

Der „Grundstein meiner Kochkünste“ war also gelegt.

Die Fahrt auf dem Regen im Regen von Regen nach Regensburg

Mit Camping und Campingküche sollte also die Rhône Fahrt starten. Zuvor wollten wir drei uns noch besser kennen lernen. Wir fuhren mit dem Zug nach Regen im Bayrischen Wald. Dort ist der Fluss eigentlich sehr seicht. Aber – wie schon der Titel vermuten lässt – es regnete kräftig! Wir ließen und dadurch allerdings nicht aufhalten. Eine Geschichte ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Der kleine Angler

Wir zelteten an einem Stausee. Ein kleiner Bub kam an unserem Zelt vorbei – mit einer prächtigen Raubfisch Angel. Es war eine „gespleißte“ vom feinsten. Nach einer Weile kam der Bub wieder vorbei – heulend. Er hatte einen „Hänger-„, zu sehr an der Angel gerissen und die Angel abgebrochen. Wir (Feinmechaniker) haben uns den Schaden angesehen. Das oberste Ruten Teil war direkt an der Steckhülse abgebrochen. Wir haben die Hülse erhitzt. Dann das Stück Holz herausgezogen. Anschließend das Teil etwas angepasst und wieder in die Hülse gepresst. Die Angel sah wieder wie neu aus.

Der Bub lief freudestrahlend nach Hause. Der Vater hat es natürlich doch bemerkt. Aber weil die Angel ja wieder völlig brauchbar war, ist die Bestrafung wohl etwas milde ausgefallen.

Leberkäse oder Forellen bei Camping und Campingküche

Am nächsten Tag war der Bub wieder bei uns. Er brachte auch gleich eine prächtige frisch geangelte Forelle mit. Sie war noch putzmunter. Was sollten wir drei Kerle mit einer Forelle. Ich habe sie in einem Einkaufsnetz in den nahen Bach gehängt. Der Bub hat auch erkannt dass eine Forelle für drei nicht reicht. Also hat er im Laufe des Tages noch zwei weitere Forellen gebracht. Wir hatten Leberkäse mit Spiegelei eingeplant. Aber dann haben wir umdisponiert. Für und gab es Forelle Müllerin und für den Bub Leberkäse mit Spiegelei.

„Mei, wenn des der Mo wissad, dem die Forellen g’hörn!“

Als wir so zusammen saßen, der Bub mit Leberkäse und Spiegelei. Wir dagegen mit prächtigen Forellen Müllerin. Da entfuhr dem Bub obiger „andächtiger Spruch“. Danach war uns klar woher das Anglerglück des Buben gekommen war. Ein Bauer züchtete Forellen in einem aufgestauten Bach. Und der Bub wusste wie man sie darin mit der Hand fängt. Eine Angel hatte er allerdings nicht mehr!

Mit Camping und Campingküche die Rhone hinunter

Eigentlich hatte ich den „Bund“ gehasst. Gerade hatte ich mich durch die Berufsaubauschule gekämpft. Endlich war das Ingenieurstudium greifbar. Da kam die Einberufung! 18 Monate des Lebens vergeudet! Aber etwas war dann doch übrig geblieben. Nicht gerade viel. Denn die paar Dosen Wurst und Fleisch hätte man sich auch (vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums) kaufen können. Außerdem bekam ich für die gestohlenen 18 Monate meines Lebens eine „Entschädigung“ von sage und schreibe – 300 DM.

Ein abenteuerliches Gespann

Trotzdem – mit den 300 DM kaufte ich mir einen (ur)alten Renault 4. Unser Transporter für 3 Kerle, ein Faltboot und die Ausrüstung für Camping und Campingküche. Unser Freund Uwe hatte ein Teilbares Kajak. Es war in der Mitte geteilt, so dass das Vorderteil in das Hinterteil passte. Dann wurde es mit Flügelschrauben zusammengeschraubt. So mancher hat da den Mund nicht mehr zubekommen. Da kommt ein Auto mit einem Boot von dem die Hälfte fehlt.

Problemloser Start

Wir fuhren also nach Seyssel sur Rhône, bauten die Boote zusammen und ab ging es die Rhone hinunter. Von diesem Abschnitt unserer Reise gibt es nicht viel zu berichten. Es regnete mal ausnahmsweise nicht. In Lyon angekommen suchten wir den Campingplatz in Lyon Oullins.  Nun musste ich das Auto holen. Wir fanden eine Zugverbindung von Lyon Hauptbahnhof nach Seyssel. Am kommenden Sonntag sollte es los gehen. Da ich der einzige war, der einen Führerschein hatte, war klar wer fahren musste. Allerdings war ich auch der einzige der kochen konnte. Da ich der französischen Eisenbahn nicht traute, kalkulierte ich ein dass meine Freunde am Abend „für sich selbst sorgen“ mussten.

Mächtig viel Erbsensuppe bei Camping und Campingküche

Von den EPA’s waren noch Tüten mit Erbsensuppe vorhanden. „Nehmt unseren größten Topf, gebt 2 Liter Wasser hinein und das Päckchen Erbsensuppe dazu.“ Das sollten sie doch hinbekommen? Tatsächlich kam es wie befürchtet. Als ich am Bahnhof ankam stand der Zug schon „unter Dampf“. Beinahe wäre ich vor Aufregung über die Gleise gerannt. Ein freundlicher Herr hielt mich am Ärmel zurück und sagte.“Keine Eile, der fährt noch lange nicht ab.“ Es war ein freundlicher Herr, der in deutscher Kriegsgefangenschaft deutsch gelernt hatte. Außerdem hatte er die besten Erinnerungen an diese Zeit. Der Zug fuhr dann tatsächlich zwei Stunden später ab.

Seyssel ist nicht gleich Seyssel.

Nach langer Fahrt sagte mir der Schaffner, ich müsse hier umsteigen. Ich stieg also aus. Doch draußen fragte mich ein anderer Schaffner wohin ich wollte. Ich sagte „Seyssel“. Er schickte mich wieder in den Zug zurück. Leider hätte ich sagen sollen „Seyssel sur Rhône„. Es gibt noch einen anderen Ort, der auch Seyssel heißt! Der Anschlusszug war verpasst und ich musste eine Nacht im Schlafsack auf dem Boden verbringen.

Am nächsten Tag trampte ich nach Seyssel sur Rhône, bezahlte die Rechnung für das Parken des Autos und fuhr nach Lyon Oullins.

Das Missverständnis

Meine Freunde empfingen mich mit finsteren Gesichtern. „Du und diese scheiß Erbsensuppe!“ Ich konnte es nicht begreifen wie man eine Tüten-Erbsensuppe vergeigen kann. So langsam kam es raus. Sie hatten „Einmann-Packung“ gelesen! „Der will uns wohl verhungern lassen! Also haben sie eine zweite Packung Erbsensuppe in den Topf geschüttet. Die Suppe ist gequollen und gequollen! Bei dem Camping Geschirr ist es so dass alle Töpfe in den großen Topf passen. Die Töpfe konnten die Erbsensuppe nicht fassen. Die Pampe ist angebrannt. Sie sind Essen gegangen und ich hatte die verbrannten Töpfe am Hals.

Was hatte es mit „Einmann Packung“ auf sich. Jeder Soldat hat eine Zeltplane, die zusammen mit einer anderen Zeltplane ein Zelt ergibt. Also muss sich jeder Soldat mit einem Kameraden zusammen tun. Gekocht wird auch gemeinsam. Jeder hat eine „Einmann Packung“ und teilt sie sich mit dem Kameraden. Die beiden hatten ja „nicht gedient“ und wussten das nicht.

Das Letscho, das dann ein Ratatouille wurde

Inzwischen waren uns die Fleischkonserven ausgegangen. Der Versuch, Fleisch zu kaufen scheiterte kläglich an meinem Geruchssinn. In der Metzgerei hing das Fleisch ungekühlt, schwarz von Fliegen. Wir kauften Zwiebel, Paprika und Eier für ein Letscho. Wir hatten ja weder Tisch noch Stühle. Ich saß also auf dem Schlafsack, balancierte ein Holzbrettchen auf den Knien und schnibbelte. Vom Zelt gegenüber wurde ich von drei Französinnen beobachtet. Ich kann kein französisch, aber am Ton bemerkte ich Zustimmung. Zwiebeln, Paprika … fertig. Jetzt änderte sich der Ton. Ich sagte zu unserem Französischkenner, er soll doch mal fragen was an meinem Letscho fehlt. Es dauerte lange. Er kam ziemlich ratlos zurück. Es fehlt so eine schwarze Keule und eine Gurke, die aber keine Gurke ist. Sie haben mir die Namen aufgeschrieben.

Am nächsten Tag kauften wir wieder Zwiebeln und Paprika, außerdem eine Aubergine und zwei Zucchini. Unter der Anleitung der drei Französinnen kochte ich mein erstes Ratatouille. Die Eier haben wir einfach unter das Letscho beziehungsweise unter das Ratatouille gerührt.

Eigentlich wisst ihr jetzt wie ich zum Kochen kam. Wir hatten noch einige Erlebnisse – mit Camping und Campingköche, bei denen es allerdings nicht ums Kochen ging.

 

 

 

 


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© Max Kolar